Colocation ist tot. Lange lebe Colocation!

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In der IT hat das Kästchendenken aufgehört. Immer stärker wird erkannt, dass eine optimale Vernetzung und Zusammenarbeit auf allen Ebenen Unternehmen weiterbringt. Und obwohl jedes Unternehmen zum IT-Unternehmen wird – weil die Geschäftsmodelle der Zukunft ohne IT undenkbar sind – werden IT-Aufgaben zunehmend zu Spezialisten ausgelagert.

Die IT-Welt wird immer komplexer. Baute man früher Systeme, die jeweils nur einem einzigen Zweck gewidmet waren, müssen IT-Lösungen heute gleich ein Vielzahl von Aufgaben erfüllen. Nehmen wir zum Beispiel einen Webshop: Früher benötigte man eine einzige Applikation, diese konnte Bestellungen entgegennehmen und verarbeiten. Heute kommen in einem Online-Shop viel mehr Daten und unterschiedlichste Datentypen zusammen: Neben dem Bestellsystem gibt's da Demovideos, Kundenbewertungen, Social-Media-Content und noch viel mehr.

Klar, dass hier ein Unternehmen, das isoliert agiert – ob aus dem eigenen RZ im Keller heraus oder in Colocation in einem Colocation-Data Center –, nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Diese Art der Colocation ist also gestorben. Neu geboren, und kräftig im Wachstum befindlich, ist, was man Hybrid-Colocation nennen könnte. Das Zusammenspiel der verschiedenen Datenprovidern wird dementsprechend komplex: Bestehende Lösungen, wie die oben erwähnte Bestellapplikation, kommen nach wie vor aus dem «traditionellen» Rechenzentrum. Neue Anwendungen, die besonders geschützt sein müssen (aus datenrechtlichen Gründen oder wegen Branchenregulierungen wie z.B. Auflagen der Finma für die Finanzbranche), stammen aus privaten Clouds (die auch in einem Colocation-RZ zuhause sein können), derweil unproblematische Daten (Demo-Videos, Chats, Social Media Daten usw.) aus öffentlichen Clouds kommen. Unternehmen haben zudem drei Dinge erkannt:

1. Es bringt dem Unternehmen mehr, wenn es sich auf sein Kerngeschäft konzentriert – zumal die zunehmende Komplexität der IT nach noch grösserer Expertise als früher verlangt.
2. Es lohnt sich ökonomisch nicht mehr, ein eigenes Rechenzentrum und eine eigene IT Infrastruktur aufrechtzuerhalten.
3. Konzentration auf Kernkompetenzen bedeutet: zunehmendes Outsourcing. Diese steigende Nachfrage nach Outsourcing trifft auf ein ebenso stetig erhöhtes Angebot
an Services und Rechenzentren. Steht bald auf jeder Wiese ein Colocation Rechenzentrum?
Wohl kaum. Denn obwohl es so aussieht, als könnten Rechenzentren überall gebaut werden, gibt es doch eine Unzahl an Faktoren, die für den idealen Standort entscheidend sind:

Verfügbarkeit von Netzwerken

Eine solide Netz-Infrastruktur ist zwingend – und eine grosse Auswahl an Netzwerk-Providern höchst wünschenswert.

Energiekosten

Je nach Standort variieren die Stromtarife stark, auch in der Schweiz.
Der Stromtarif alleine kann das Zünglein an der Wage spielen, ob ein Rechenzentrum erfolgreich ist oder nicht.

Die Bedrohung durch Katastrophen

Ob natürliche Katastrophen oder durch den Menschen gemachte:
Das Worst Case Scenario sollte sich jeder, der ein Rechenzentrum plant – oder der seine Daten in ein bestehendes Rechenzentrum verlagern möchte –, klar vor Augen halten.
Die Bedrohungsmuster variieren in den einzelnen Regionen: Bei uns ist die Wahrscheinlichkeit von Wirbelstürmen und Tsunamis inexistent, doch Überschwemmungen, Kernkraftwerksunfälle und Flutwellen können durchaus auch bei uns eintreten. So könnte zum Beispiel ein Teil der Stadt Zürich theoretisch von einem Staudammbruch am Sihlsee betroffen werden: Gebiete entlang der Sihl und westlich der Limmat bis nach Altstetten lägen bis zu acht Meter unter Wasser. Obwohl die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines solchen Szenarios gegen Null tendiert,
geht man bei der Standortwahl lieber auf Nummer «sehr sicher» und baut daher mit Vorteil auch nicht in unseren erdbebengefährdetsten Gebieten, dem Wallis und der Region Basel.

Steuerliche und andere Standortvorteile

Sind Katastrophenszenarien noch Gedankenspiele, deren Eintreffen in der Realität kaum zu befürchten sind, sieht es mit anderen Überlegungen zur Standortwahl schon anders aus: Ein vorteilhaftes Klima für Unternehmen, allfällige Investitionshilfen und steuerliche Vorteile senken die Kosten für den Betrieb eines Rechenzentrums – dies freut auch die Colocation-Kunden, denen diese Vorteile in Form von kompetitiven Preisen weitergegeben werden.

Effiziente Kühlung

Energiekosten betragen mitunter die Hälfte der gesamten Betriebskosten. Wegen der zunehmenden Speicherdichte nimmt die Energie, die zur Kühlung benötigt wird, in starkem Masse zu. Die Kühlung eines Rechenzentrums trägt also immer stärker zu einem grossen Teil der Energiekosten bei. Schön, wenn der Aufwand für die Kühlung verkleinert werden kann, indem man entweder natürliche Kühlressourcen ausnützt (Seen, Flüsse) oder modernste energiesparende Klimatechnik ensetzt.