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Wie werden Rechenzentren als Tier I (1), Tier II (2), Tier III (3) oder Tier IV (4) klassifiziert?

Sicher sind Sie auch schon über die Bezeichnung «Tier» im Zusammenhang mit Rechenzentren gestolpert. Nun fragt man sich vielleicht, welches Tier ist denn da gemeint? In RZ-Sprache handelt es sich hierbei ganz einfach um einen unpraktischen englischen Ausdruck für «Kategorie».

Ausgesprochen «Täi- er», wird es vom amerikanischen Uptime Institute benutzt, um die Verfügbarkeit von Rechenzentren zu klassifizieren. Zuletzt hat das Institut im Juli 2015 seinen Zertifizierungsprozess überarbeitet.Es wurde festgestellt, dass es Datenzentren ohne offizielle Klassifikation gab, die behaupteten, das Institut habe sie zertifiziert. Ein Grossteil der Kontroversen fand zwischen den Tier-III- und Tier-IV-Rankings statt.

Quelle:Netari

Tier 1 - die niedrigste Kategorie

«Tier I» beschreibt ein System, das zu 99,671% verfügbar ist – Rechenzentren dieser Kategorie genügen für kleinere Unternehmen, bei denen die IT primär zur Bewältigung interner Prozesse genutzt wird und deren Internet-Präsenz eine reine passive ist. Sie werden auch als ‘powered warehouse’ beschrieben.

Tier 2 – Einstufung erlaubt noch vieles

Auch die «Tier II»-Einstufung erlaubt noch viele, auch menschliche Fehler, um der Verfügbarkeit von 99,749% genügen zu können. Tier II ist für kleinere Unternehmen geeignet, deren IT zumeist nur während der Geschäftszeiten genutzt wird und die ihre Internetanbindung zwar zu Geschäftszwecken nutzen, aber bei einem Ausfall nur Verzögerungen und Datenverluste riskieren. Allenfalls entstehende Verzögerungen schaden dem Geschäft an sich nicht.

Tier 3 – Jetzt wird’s strenger

Ab Tier III werden die Anforderungen um einiges schärfer: Die Verfügbarkeit bei Tier III beträgt 99,982%, unter anderem müssen Redundanzen räumlich getrennt und abwechselnde Wartung möglich sein, d.h. es muss möglich sein, Wartungsarbeiten ohne Auswirkungen auf die Kontinuität der sich im Rechenzentrum befindlichen Server durchzuführen. Tier III ist zum Beispiel für Unternehmen gedacht, die für ihre Kunden rund um die Uhr betriebsbereit sind, die aber auch auf anderen Kanälen erreichbar und arbeitsfähig sind, falls der Rechnerbetrieb kurzzeitig nicht möglich ist. 

Tier 4 - Die höchste Verfügbarkeitskategorie

Der Unterschied von Tier III zu Tier IV ist eigentlich minim. Um eine Verfügbarkeit von 99,995% garantieren zu können, muss das Rechenzentrum im Vergleich zu Tier III in den Bereichen Stromversorgung, Kühlung und Netzwerk vollständig redundant aufgebaut sein. Diese Architektur erlaubt es, auch umfangreichste technische Störungen zu beheben, ohne die Verfügbarkeit der im Rechenzentrum befindlichen Server zu unterbrechen.

Tier IV ist für Unternehmen geeignet, die eine Dienstleistung während 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr zuverlässig erbringen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben; Firmen, deren Grundlage e-Commerce, elektronische Markttransaktionen oder Finanzdienstleistungen sind, sowie weltweit agierende Konzerne, die in mehreren Zeitzonen tätig sind. 

Für eine Tier IV-Klassifikation muss ein Rechenzentrum Folgendes erfüllen:

  • Zero single points of failure: Tier-IV-Anbieter haben Redundanzen für jeden Prozess- und Datenschutz-Stream. Kein einzelner Ausfall oder Fehler kann das System herunterfahren.
  • 99.995 % uptime pro Jahr, um das Ranking IV zu behalten
  • 2N + 1 Infrastruktur (das Doppelte des für den Betrieb benötigten Betrags plus Backup). 2N + 1 bedeutet also "vollständig redundant".
  • Die maximale Ausfallzeit pro Jahr darf nicht überschritten werden. Anbieter müssen einige Ausfallzeiten wegen Optimierungsarbeiten einplanen, diese darf sich jedoch nicht auf den Betrieb auswirken.
  • 96 Stunden Stromausfallschutz. Diese Stromversorgung darf nicht mit einer externen Quelle verbunden sein und ist vollständig proprietär.

Hohe Verfügbarkeit bei Interxion

Bei Interxion stehen «Availability» und «Reliability», die zwei Komponenten der Verfügbarkeit, hoch im Kurs. Denn Colocation in den hochmodernen Rechenzentren von Interxion bietet eine grosse Vielfalt an Möglichkeiten der Energieversorgung samt vollständigem Backup, kosteneffektive Klimatisierung, fortschrittliche Brand- und Wassererkennungssysteme, ein mehrstufiges Sicherheitskonzept, nach ISO27001 und BS25999 zertifizierte Informations-Sicherheits-Management-Systeme und Business-Continuity-Systeme. Interxion bietet sogar 99.999% Availability – also eigentlich nochmal mehr als Tier 4.

Quelle: Interxion, 2014. What Availability Numbers & Cost of Downtime really mean.

Tier 1 bis 4-Klassifizierung: Eine «Exklusivität» des Uptime Institutes 

Das Uptime Institute kreierte das Tier-Klassifikationssystem Mitte der Neunzigerjahre. Das Wort «Tier» wurde beispielsweise auch im ANSI/TIA-942/TIA-942A Standard der «Telecommunications Industry Association (TIA)» in etwas andrem Zusammenhang verwendet, was Grund zur Verwirrung gab. Beide Institutionen sind übereingekommen, diese unterschiedliche Auslegung zu bereinigen – TIA hat das Wort aus ihrem Standards-Vokabular gestrichen und verwendet nun den Begriff ‘Rated Levels’.