Colocation bringt Retailer mit Highspeed in die Cloud

Acht Fragen an William Fenick, Vice President Enterprise

Unser Branchenspezialist, William Fenick, Vice President Enterprise bei Interxion, erklärt, wie eine Standort-Strategie Herstellern und Händlern die bestmögliche Datenspeicherung und -verarbeitung ermöglicht – und warum sie für die ideale Cloud-Anbindung auf einen Colocation-Partner setzen sollten.

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16 November 2021

William FenickHerr Fenick, der Onlinehandel boomt. Welche Auswirkungen hatte die Covid-19-Pandemie auf die IT-Infrastruktur der FMCG- und Retail-Branche?

Der Umsatz im E-Commerce wuchs im Vergleich zum Einzelhandel in den vergangenen Jahren deutlich. Durch die Pandemie gewann der Onlinehandel Konsumenten in enormen Ausmaßen dazu und der Ausbau des Internethandels wurde noch weiter beschleunigt. Vor allem Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Drogeriewaren oder Tiernahrung wurden während des Lockdowns erheblich nachgefragt. Aufgrund der gestiegenen Online-Nachfrage mussten Unternehmen ihre Lieferketten und das Kundenerlebnis weiter optimieren sowie Produkte zeitgerecht und kostengünstiger zur Verfügung stellen. Einige Industrieanalysten glauben, dass die Pandemie den Trend zum Onlinehandel um zwei Jahre beschleunigt hat.

 

Was sind dabei die größten Herausforderungen? 

Eine der größten Herausforderungen für den E-Commerce ist die zunehmende Menge an Daten, die sich aus Logistikprozessen, Produktionsdaten, Warenwirtschaftssystemen und Kundendaten zusammensetzen. Diese Daten müssen immer schneller, teilweise in Echtzeit, verarbeitet und zunehmend auch über APIs verschiedenen Marktteilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Grundbausteine dieser digitalen Supply Chain sind Vernetzung, Energie für immer wachsende Rechenleistung, hochverfügbare, skalierbare Infrastrukturen – und gigantische Datenpools.

Große Datenbestände müssen nicht nur bearbeitet werden. Unternehmen muss bewusst sein, dass Daten weitere Daten sowie begleitende Dienste und Anwendungen anziehen. Dieses Phänomen lässt sich mit dem Begriff Data Gravity zusammenfassen. Die globale Data Gravity Intensität für Retail soll bis 2024 um 137 Prozent jährlich wachsen. Das wirkt sich auf Standorte wie Frankfurt, London, Jakarta, Seattle, Paris, Amsterdam oder New York aus. Um Data Gravity entgegenzuwirken und damit große Datenmengen in einem Ökosystem von verschiedenen Teilnehmern nutzen zu können, entwickeln sich in der Regel Datenaustauschzentren, an denen sich Unternehmen künftig ansiedeln müssen.  

 

Worauf müssen FMCGs und Retailer achten, wenn es um Anbindung und Connectivity an das passende Ökosystem geht?

Die Bedeutung von Colocation wächst mit zunehmender Digitalisierung, Migration in die Clouds und neuen Technologien wie KI. Die eigenen Rechenzentren der Unternehmen leeren sich. Für die verbleibenden Workloads lohnt es sich nicht mehr, sie zu betreiben.

Oftmals führen auch Fragen der Datensicherheit dazu, dass Kunden Daten für Cloud-Anwendungen in Colocation positionieren. Mit der zunehmenden Nutzung von Anwendungen wie KI und HPC steigt auch die Anforderung an die Leistung der Kerninfrastruktur eines Rechenzentrums. Es geht dabei neben dem Aspekt der Sicherheit vor allem auch um die Connectivity und Verfügbarkeit. Unternehmenseigene Rechenzentren können dies meist nicht mehr leisten. Colocation ist hierfür viel besser ausgelegt und bringt Unternehmen mit Highspeed in die Cloud.

 

Sind Cloud-Lösungen bis auf Weiteres der Trend für die Branche?     

Die fundamentalen Enabler der Digitalisierung sind Daten und Data Literacy, also Analysekompetenzen. Da Transparenz, Governance und Verlässlichkeit noch nie so wichtig waren wie heute, müssen Unternehmen seriöse Cloud-Anbieter für ihre Lösungen nutzen. Deshalb ist die Cloud sicherlich einer der Lösungsbausteine.

Aber die Frage sollte immer zuerst sein, welche Geschäftsanforderungen erfüllt werden sollen. Unternehmen, die in der Vergangenheit Cloud-Migration als Selbstzweck definiert haben, sind im Nachhinein oftmals auf höhere Kosten gestoßen oder mussten feststellen, dass sie damit ihre Digitalisierungsziele noch nicht erfüllt haben.

Sie benötigen also eine robuste Strategie, wie sie ihre unterschiedlichen Daten zur Auswertung zusammenführen: Sie brauchen ein passendes Zuhause für ihre Daten, damit sie den Kopf für den Handel der Zukunft frei haben.

 

Das heißt, es braucht neben einer Cloud-Strategie auch immer eine Datenstrategie?

Sie bedingen einander: Der explosionsartige Anstieg der Daten im Retail- und FMCG-Markt führt zu einem nötigen und entscheidenden Umdenken der Unternehmen. Data Gravity erzwingt den Aufbau einer neuen, datenzentrierten Architektur, die Traffic Flows umkehrt und die Daten von Usern, Netzwerken und Clouds zu privat gehosteten Unternehmensdatenpools bringt. Damit ergeben sich ganz neue Möglichkeiten.

 

Was sind das für Möglichkeiten?

Unternehmen können und sollten ihre Daten an einem sicheren, hoch vernetzten Standort verwalten, an dem alle Fäden zusammenlaufen. Denn es braucht eine Balance zwischen der Nähe zum Kunden, der Nähe zu wichtigen Zulieferern und Partnern sowie zu Infrastrukturplattformen wie den Clouds. Deshalb ist der Standort bei Cloud- und Datenstrategien so wichtig. An kritischen Netzwerknotenpunkten können zum Beispiel Colocation-Rechenzentren wie bei Interxion eine zentrale Rolle spielen.

 

Welche Vorteile bietet dieses Modell Unternehmen?

Aufgrund der Vielzahl an Services vor Ort wie Cloud-Zugängen und auch Netzwerken bietet Colocation Sicherheit, Flexibilität, Performance und Resilienz. Durch die Netzwerkeffekte dieser Community können Services deutlich kostengünstiger aufgebaut werden. Die Gesamtmenge aus verschiedenen Infrastrukturkomponenten, die sich in einem Colocation-Rechenzentrum befinden, ist das ideale Fundament für erfolgreiche digitale Kanäle im Retail- und FMCG-Bereich. Und Customer Experience ist einer der wichtigsten Schlüssel zum Erfolg.

Die Frage könnte also auch lauten: Welche Vorteile haben Kunden? Es gibt immer mehr Digital Natives und besonders der Einzelhandel ist abhängig vom Konsumverhalten seiner Kunden. Daher profitieren Unternehmen sowie Konsumenten gleichermaßen von innovativen Lösungen wie Colocation.

 

Wie würden Sie den Weg zum „smarten Retail” beschreiben?

Der Kunde muss über seine favorisierten Verkaufskanäle so angesprochen werden, wie er es gewohnt ist. Die gesamte Supply Chain muss digital vernetzt sein, um schneller und kostengünstiger zu werden. Wir erwarten, dass die physische und digitale Welt des Retails sich auch nach der Pandemie weiter vermischen, zum Beispiel mit Echtzeitdaten zu den Warenbeständen im Laden, die die Konsumenten wiederum für verschiedene Filialen ermitteln können.

Smarte Retailer werden den Trend weiterführen, indem sie sich den Ansprüchen einer digitalen Experience für die Kunden weiter annähern und diese in den Filialnetzen umsetzen. Dabei sind Daten die Schlüsselressource für das „smart“ in Retail – mit Colocation sind Retailer der Zukunft des Handels einen Schritt voraus.