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Blogreihe: „Life in the Digital Age“

von Verena Reuber, Geschäftsentwickler und Projektleiter Autonomes Fahren, und Stefan Häfner, Projektleiter Autonomes Fahren, R+V Allgemeine Versicherung AG

Der digitale Wandel ist in vollem Gange. Technologische Entwicklungen verändern die Art und Weise, wie Menschen kommunizieren, arbeiten, lernen und leben.

Wie können wir uns als Gesellschaft auf die digitale Revolution vorbereiten und positiv mit ihr umgehen? Mit diesen und ähnlichen Fragen und Szenarien beschäftigte sich das 10. Frankfurter Symposium für Digitale Infrastruktur von Interxion, das am 14. November 2018 in der Klassikstadt Frankfurt veranstaltet wurde.

Szenario:
„Autonomes Fahren“ von MO14, der Innovationsabteilung der R+V Versicherung

„Warum beschäftigt sich denn eine Versicherung mit so etwas?!“, fragende Blicke und Skepsis begegneten uns zu Beginn unseres Projekts öfters.

Dabei liegt es auf der Hand: Die Mobilität der Zukunft wird gekennzeichnet durch die Megatrends Elektromobilität, Share-Economy, Konnektivität und dem autonomen Fahren. Aktuell bestehen unterschiedliche Erwartungen und Bewertungen darüber, wann es so weit sein wird, dass diese Entwicklungen großflächig Einzug halten. Aber darüber, dass sie kommen, sind sich alle einig.

Und dementsprechend sollte sich natürlich auch eine Versicherung mit den Themen der Zukunft befassen.

Neue Entwicklungen bergen immer auch neue, noch nicht bekannte Herausforderungen und Risiken. Außerdem werden sich auch die Bedürfnisse und Ansprüche unserer Kunden ändern. Dem allen sollten wir Rechnung tragen.

Was liegt also näher, als sich proaktiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen und sich so bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten?

Neuland auch für Prüfbehörden

Wir haben uns daher dafür entschieden, zwei hochautomatisierte Elektro-Shuttle zu kaufen und diese „auf die Straße zu bringen“. Der erste wichtige Schritt dabei war sicherlich der Zulassungsprozess. Als wir 2017 mit dem Projekt gestartet sind, gab es noch kein TÜV-Lastenheft, die Prüfbehörden betraten Neuland; bis dahin gab es weder passende Prüfkriterien noch -kategorien, an denen sich orientiert werden konnte. Gemeinsam schauten wir uns daraufhin die Fahrzeuge an und entwickelten das erste Lastenheft für People Mover in Deutschland.

Unser Ziel war es, die Fahrzeuge einzusetzen, also fahren zu lassen und so die darin verbaute Technik, wie unterschiedliche Sensoren und ihre Datenfusion, zu beobachten und zu verstehen. Dafür strebten wir die Straßenzulassung an.

Parallel zur Zulassung arbeiteten wir an potentiellen Testfeldern. Spannende Use-Cases, die eine Fülle an Informationen versprachen, gab es viele: Wie würde das Shuttle im Mischverkehr funktionieren? Würde es Probleme geben? Falls ja, eher mit anderen Fahrzeugen oder vielleicht doch eher mit Fußgängern? Wie reagiert das Elektrofahrzeug auf Temperaturen um den Gefrierpunkt? Macht ihm eine Teststrecke, die ausschließlich aus Steigung und Gefälle besteht, anders zu schaffen als eine Route in der Ebene? Welche Daten werden in welcher Form während der Fahrt generiert? Und vor allem: Wie gut sind die hochautomatisierten Systeme mittlerweile? Und und und…

Testfelder entlarven Stärken und Schwächen

Um diversen Fragestellungen auf den Grund zu gehen, starteten wir im Oktober 2017 mit dem ersten Testfeld: Im Sicherheitsbereich des Frankfurter Flughafens waren wir insgesamt vier Wochen unterwegs und haben dort Terminal 1 und 2 mit der Fraport-Unternehmenszentrale verbunden und so den Mitarbeitertransport unterstützt. Ebenfalls um effizienteren Mitarbeitertransport drehte sich das zweite Testfeld. Im Dezember 2017 waren wir für zwei Wochen in Marburg und beförderten die Pharmaserv-Kollegen bei Minusgraden über das steile Gelände der Behringwerke.

Nach diesen beiden Testfeldern auf Betriebsgeländen war es dann im April 2018 endlich so weit: Die Zulassung war da, wir hielten das Kennzeichen in den Händen und konnten endlich auch auf der öffentlichen Straße testen. Der erste Einsatzort war natürlich bei unserer Direktion in Wiesbaden, danach ging es im Sommer für sieben Wochen nach Mainz. Dort verprobten wir in einer >Kooperation mit der Mainzer Mobilität einen ÖPNV-Einsatz.

Zentral für uns ist, wie eingangs berichtet, der Erkenntnisgewinn. Wir sind davon überzeugt, dass der praktische Einsatz die Stärken und Schwächen der neuen Mobilität besser offenlegen kann, als es ein theoretischer Ansatz je könnte. Um diese Praxisnähe noch weiter nutzbar zu machen, arbeiten wir bei den Testfeldern mit Forschungsinstituten zusammen. So haben uns bisher die Universitäten aus Marburg und Mainz und die Transferstelle Bingen wissenschaftlich begleitet und Forschung im Bereich der Akzeptanz und der Technik betrieben.

Das Projekt entstammt dem InnovationLab der R+V – MO14 – und ist für R+V ein ungewöhnliches. Vieles wurde bewusst anders gemacht als bisher, es herrschte u.a. eine große Offenheit für agile Arbeitsmethoden. Mit dem äußerst erfolgreichen Projekt der hochautomatisierten Shuttle wurde der Mut aller Akteure belohnt. Und außerdem haben wir damit unter Beweis gestellt, dass es auch für eine in der allgemeinen Wahrnehmung eher als traditionell eingestufte Versicherung Sinn macht, sich proaktiv und neuartig mit zukünftigen Themen auseinanderzusetzen.