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Life in the Digital Age - Teil 4

von Dr. Christian Garbe,
Managing Director,
FiZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie GmbH

Der digitale Wandel ist in vollem Gange. Technologische Entwicklungen verändern die Art und Weise, wie Menschen kommunizieren, arbeiten, lernen und leben.

Wie können wir uns als Gesellschaft auf die digitale Revolution vorbereiten und positiv mit ihr umgehen? Mit diesen und ähnlichen Fragen und Szenarien beschäftigte sich das 10. Frankfurter Symposium für Digitale Infrastruktur von Interxion, das am 14. November 2018 in der Klassikstadt Frankfurt veranstaltet wurde.

Szenario:

Mit intelligenten Daten zur Präzisionsmedizin

Krank zu sein, war schon immer eine sehr persönliche Angelegenheit. Das zeigt sich bei simplen Erkältungserregern, auf die Menschen unterschiedlich reagieren, ebenso wie bei komplexen Tumoren. Wenn große Datenmengen klug analysiert werden, können individuelle Krankheitsverläufe auch mit individuellen Therapien behandelt werden.

1990 sprach noch niemand von Big Data und von heutigen Rechenkapazitäten träumten höchstens Science-Fiction-Autoren. Keiner der internationalen Forscher konnte davon ausgehen, den erfolgreichen Abschluss des Projekts erleben zu dürfen, das sie 1990 starteten. Das hielt sie jedoch nicht davon ab. Sie nannten ihre Aufgabe das „Humangenomprojekt“ und ihr Ziel war kein geringeres als die Entschlüsselung des Menschen.

Dass die Aufgabe dann doch nach bereits 13 Jahren gelöst war, glich einer Sensation – und markiert zugleich den Anfang einer noch größeren Aufgabe: Auf individuelle Krankheitsverläufe mit maßgeschneiderten Therapien zu reagieren. Experten sprechen von „Precision Medicine“. Aber präzise Therapien zu finden, ist schwierig, unter anderem weil der Mensch eben doch mehr ist als seine Gene.

Nicht nur auf die Gene, auch auf die Biochemie kommt es an

„Jeder Mensch hat – außer seiner individuellen Lebensführung – seine ganz eigene Biochemie, also Hormonlevel, Stoffwechsel, Schmerzempfinden, die ebenso individuell sind“, sagt Dr. Christian Garbe vom FiZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie. „Das gilt besonders bei einer Erkrankung: Die gleiche Behandlung kann bei verschiedenen Menschen durchaus unterschiedlich wirken. Moderne Therapiemethoden setzen daher auf die Präzisionsmedizin. So können in Zukunft die Zusammensetzung, die Menge und auch der Zeitpunkt einer Therapie oder verabreichten Medizin daraufhin exakt abgestimmt werden.“

Eine notwendige Voraussetzung dafür ist, dass die verschiedenen Datenquellen zugänglich gemacht und miteinander verknüpft werden. Das ist Big Data. Oder besser gesagt: Intelligent Data. Denn vor der präzisen Therapie steht die kluge Auswertung der verfügbaren Daten. Das ist ein Schwerpunkt der Arbeit von Dr. Christian Garbe, die er im Rahmen der Initiative German Genethics am Frankfurter Innovationszentrum durchführt.

Wer sich Garbe als klassischen Mediziner im weißen Kittel und womöglich mit umgehängtem Stethoskop vorstellt, kann sich bei einem Besuch in den Frankfurter Labors davon überzeugen, dass die Digitalisierung auch mit diesem Klischee aufgeräumt hat. Das wichtigste Werkzeug dieser neuen Art Mediziner ist: eine Datenbank.

Heilungschancen steigern, Nebenwirkungen minimieren

„Sie verbindet die Informationen aus unterschiedlichen Quellen, aus renommierten Fachzeitschriften und hochspezialisierten molekularbiologischen Datenbanken mit Forschungsergebnissen aus klinischen Studien, dem Wissen über anerkannte Therapien und den individuellen Informationen der Patienten wie beispielsweise Gewebe-Biopsien“, erklärt Garbe. „Die Daten werden in Deutschland und international erhoben, bereinigt, strukturiert und neu verknüpft. So entsteht eine globale Informationssammlung, die sich fortlaufend entwickelt und immer stärker wird.“

Dabei kommen schnell etliche Terabyte an Daten zusammen. Diese Daten sind die Voraussetzung dafür, dass sich die personalisierte Medizin im durchgetakteten und auf schlank getrimmten Gesundheitswesen durchsetzen kann, sodass in Zukunft die zu verabreichende Medikation ebenso wie die ideale Menge sowie der günstigste Zeitpunkt einer Therapie exakt abgestimmt werden können.

„German Genethics unterstützt schon heute Ärzte dabei, die passende Therapie für ihre Patienten zu finden“, sagt Garbe, der davon ausgeht, dass Precision Medicine schnell voranschreitet. Nicht nur, weil die technischen Voraussetzungen für Big-Data-Projekte solcher Dimensionen immer erschwinglicher werden, sondern auch, weil Erfolg und Kosten-Nutzen-Analyse dafürsprechen: „Bei individuell auf den Patienten abgestimmten Therapien steigen die Heilungschancen. Gleichzeitig werden Nebenwirkungen, Misserfolge und Kosten minimiert“, erklärt er.

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