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„Wir unterschätzen den Bedarf. Immer wieder.“

von Jens Prautzsch,
Managing Director,
Interxion Deutschland

Mit dem Handy in der Tasche scheint das Internet immer nur einen Griff entfernt. Aber ohne die passende Verbindung ist selbst das neueste Smartphone kaum mehr als ein Telefon mit Fotoapparat. Über die Bedeutung von Rechenzentren – und warum es nicht egal ist, wo sie stehen.

Früher verstauten wir sie unter dem Schreibtisch, dann hatten wir sie auf dem Schoss, inzwischen tragen wir sie in der Hosentasche oder sogar am Handgelenk: Die Geräte, mit denen wir online sind, werden immer kleiner. Ein bisschen wischen und die digitale Welt steht uns zu Diensten. Wer das Internet nur aus der Perspektive des Nutzers betrachtet, sieht nicht viel mehr, als eine kleine, glatte Oberfläche.

Aber so einfach ist das natürlich nicht. Das wissen alle, deren Smartphone schon einmal die Anbindung ans Internet verloren hat. Und die erforderliche Infrastruktur im Hintergrund wird nicht kleiner.

Im Gegenteil.

Jens Prautzsch, Geschäftsführer von Interxion Deutschland weiß das, denn die von Interxion betriebenen Rechenzentren sind die Voraussetzung für die Digitalisierung. Hier wird das Phone zum Smartphone. Viel von dem, was digitale Welt zum Leben erweckt, wird durch die Sorte Services überhaupt erst möglich, die in modernen Rechenzentren entwickelt und angeboten werden. „Von diesen Rechenzentren haben wir in Europa mehr als 50, in Deutschland bald 17 und davon 15 allein in Frankfurt“, erklärt Prautzsch auf dem 11. Frankfurter Symposium für Digitale Infrastruktur von Interxion. „Es werden immer mehr und sie werden immer größer.“

Bei uns geht es nicht ums Verkaufen, sondern ums Liefern

Wie groß der Bedarf nach Rechenzentrums-Dienstleistungen ist, versucht die Branche regelmäßig vorherzusagen – aber: „Wir unterschätzen den Bedarf. Immer wieder“, sagt Prautzsch. Das führt zu einer Situation, um die Prautzsch manch anderer Manager vielleicht beneiden würde: „Von der Rechenzentrumsfläche, die wir jetzt gerade entwickeln und die am 1. April 2020 zur Verfügung stehen wird, ist schon die Hälfte vergeben.“ In dieser Branche geht es nicht darum, möglichst gut zu verkaufen, sondern möglichst gut zu liefern. „Unsere Kunden verlassen sich darauf, ihre IT bei uns zuverlässig betreiben zu können und sie verlassen sich darauf, dass sie pünktlich damit anfangen können.“

Diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist nicht immer einfach. Eine ziemliche Herausforderung sei es, neue brauchbare Grundstücke zu finden. In unseren hochvernetzten Zeiten gilt auch bei Rechenzentren: Die Lage entscheidet. „Ein Rechenzentrum lebt von der Anbindung“, so Prautzsch. „An ein leistungsfähiges Stromnetz, an andere Rechenzentren auf demselben Campus, an den Verkehr.“

Als Prautzsch auf die Vorurteile zu sprechen kommt, mit denen seine Branche immer wieder konfrontiert werde, müssen einige der Gäste lächeln, wohl aus eigener Erfahrung. „Wir hören oft, Rechenzentren seien laut, verbrauchten viel zu viel Strom und seien außerdem hässlich.“ Auch wenn Prautzsch zugibt, sich persönlich kein Rechenzentrum in den Garten stellen zu wollen: Viele dieser Vorurteile seien eben: Vorurteile. „Moderne Anlagen sind abgeschottet und verfügen über die neueste Technik auch beim Lärmschutz. Energieeffizienz liegt in unserem ureigensten Interesse, denn die Stromkosten machen vor allem am Standort Deutschland einen Großteil der Gesamtkosten beim Betrieb der IT aus.“ Hier in neue Technologien zu investieren, ist nicht nur ein Gebot der Stunde, sondern auch ökonomisch absolut angezeigt. Und zum Thema „hässlich“ verweist Prautzsch auf das neueste Rechenzentrum von Interxion, das an prominenter Lage, direkt am so genannten Ratsweg-Kreisel entsteht: „Mit der Fassade von FRA15 haben wir versucht, den tausenden Pendlern keinen reinen Zweckbau vor die Nase zu setzen, sondern einen architektonischen Blickfang.“

Zukunft entsteht, wo Daten verarbeitet werden

Die Digitalisierung braucht Rechenzentren wie die von Interxion. Genauer gesagt: Die Gesellschaft braucht sie. Wobei sich „brauchen“ nicht darauf beschränkt, dass viele Menschen sich an ihre Gadgets zum Arbeiten und zur Unterhaltung viel zu sehr gewöhnt haben, um noch auf sie zu verzichten. Bei der Digitalisierung geht es längst nicht nur um Spaß und Bequemlichkeit, sondern darum das Rückgrat der Gesellschaft zu stärken: die Wirtschaft.

Wirtschaftlicher Erfolg ist im 21. Jahrhundert nur denkbar mit einer verlässlichen digitalen Infrastruktur. Das zeigt sich besonders am Beispiel Internet of Things in der Variante Industrial Internet of Things. Zu den Kunden von Interxion zählen mittelständische Weltmarktführer beispielsweise aus den Bereichen Fertigung und Anlagentechnik. Ihre Hardware ist überall. Gemäß der Logik der digitalen Ökonomie verschieben sich jedoch die Gewichte in der Wertschöpfungskette: Geld wird künftig immer weniger mit den Geräten an sich verdient, sondern mit den Daten, die rund um diese Geräte entstehen. Diese Daten sinnvoll zu verarbeiten, führt zu effizienteren Abläufen, tieferen und intelligenteren Geschäftsbeziehungen und letztlich zu ganz neue Geschäftsmodellen.

Für diese Art Business sind moderne Rechenzentren von grundlegender Bedeutung, weil Unternehmen wie besagte Mittelständler ihre IT hier sicher, schnell und kosteneffizient betreiben können und weil sie hier Verbindungen herstellen können zu Anbietern, Partnern und Kunden, die sich im gleichen Ökosystem engagieren. Im modernen Rechenzentrum werden Geschäftsmodelle nicht nur unterstützt, oftmals entstehen sie hier überhaupt erst. Wer das Internet nur als Oberfläche auf dem Endgerät wahrnimmt, mag die Aussage vielleicht für übertrieben halten, aber wer sich im Innern eines Rechenzentrums auskennt, weiß: Hier entsteht Zukunft.

Die Frage, wo der beste Ort ist, um ein Rechenzentrum zu betreiben, ist für Prautzsch daher schnell beantwortet: „Nahe an den Unternehmen, nahe an den Kunden, nahe an den Clouds. Also hier.“