Kritische Infrastruktur Rechenzentrum: Gut vorbereitet in der Krise

18 März 2020

Deutschland befindet sich im Krisenmodus und Teil des Umgangs mit dieser Krise ist es, das öffentliche Leben einzuschränken. Oder genauer gesagt: den nicht-digitalen Teil des öffentlichen Lebens. Während in der analogen Welt Social Distancing das Gebot der Stunde ist, rücken wir in der digitalen Welt enger zusammen.  Ärzte bieten Online-Sprechstunden an. Enkel halten via Skype Kontakt zu ihren Großeltern und Freunden. Schulaufgaben werden über mehr oder weniger öffentliche Kanäle geteilt, gemeinsam bearbeitet und von Lehrkräften begleitet. Flexible Lösungen sind gefragt und sie beweisen, wie weit die so genannte Schatten-IT selbst in einem Umfeld reifen konnte, von dem es oft heißt, es stecke noch in der Kreidezeit fest (Beispiel: Online-Fernunterricht). Das Home Office als Ausnahmelösung wird plötzlich zur Selbstverständlichkeit, um erwerbstätig zu bleiben. Aktuelle Informationen und Einschätzungen finden sich jederzeit online – in den Medien, den sozialen Netzwerken und auf eigens eingerichteten Webseiten. Ohne Umweg und Zeitverzögerung klassischer Medien wird beispielsweise einfach direkt der Pressekonferenz des Ministeriums gefolgt. >Damit ermöglicht es unsere digitale Infrastruktur, drei zentrale Grundbedürfnisse zu befriedigen: Sie sichert vielen von uns die Erwerbsexistenz. Zweitens stellt sie sicher, dass wir stets umfassend informiert sind. Drittens ist sie jetzt der wichtigste Kitt sozialen Zusammenhalts. Kein Wunder, dass Internetknoten wie der weltweit größte – DE-CIX in Frankfurt – Rekordzahlen beim Datenverkehr registrieren.

Was macht die digitale Infrastruktur zur kritischen Infrastruktur?

Kaum vorstellbar ist, wie wir in weniger digital verknüpften Zeiten mit dieser Krise umgegangen wären – oder wie es uns mit einem Ausfall ginge. Unsere digitale Welt ist von entscheidender Bedeutung. 

Das spiegelt sich auch in den gesetzlichen Vorgaben wider. Ein Meilenstein war die Verabschiedung des IT-Sicherheitsgesetzes im Jahr 2015. Ziel war laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière, „dass das Netz sicherer wird und die digitalen Infrastrukturen Deutschlands künftig zu den sichersten weltweit gehören“. 

Interessantes Detail: Das Gesetz adressiert die Sicherheit der digitalen Infrastruktur ebenso wie die IT-Sicherheit der nicht-digitalen Infrastruktur. Keine Sicherheit ohne IT-Sicherheit, lautet die Botschaft. Damit erkennt der Gesetzgeber an, was in der Wirtschaft längst Tatsache geworden ist: Die digitale Infrastruktur ist längst nicht mehr eine von vielen Nischentechnologien, sondern eine unersetzliche Voraussetzung für nahezu alles, was in unserem Leben wichtig ist.

Was eine kritische Infrastruktur ist und welche Regeln für entsprechende Anbieter gelten, legt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fest. Kritische Infrastrukturen (KRITIS) sind demnach „Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden“. 

Erst im Dezember hat das BSI eine Branche in den Blick genommen, die nun mehr denn je in der öffentlichen Aufmerksamkeit steht: Krankenhäuser. „Der Schutz sensibler Patientendaten muss ebenso zuverlässig gewährleistet sein wie die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Unterstützung modernster Computertechnologie“, sagte BSI-Präsident Arne Schönbohm dazu. Wie recht er damit hat, muss im Corona-Jahr 2020 niemandem mehr erklärt werden.

Aus Erfahrung sicher: Colocation-Rechenzentren

Da in Rechenzentren zum Teil kritische Infrastrukturen in nicht unerheblichem Maße betrieben werden, gelten erhöhte Anforderungen an die Verfügbarkeit, Integrität, Authentizität und Vertraulichkeit. Diese Auflagen zu erfüllen, fällt den professionellen Anbietern von Colocation-Dienstleistungen in der Regel nicht allzu schwer, denn sie gehören vom ersten Design der Rechenzentren über die Umsetzung bis zum alltäglichen Geschehen zu den zentralen Grundlagen. So sind die berühmten fünf Neunen eines der wichtigsten Argumente, warum Unternehmen das eigene Rechenzentrum aufgeben und stattdessen ein externes Rechenzentrum nutzen. Mit einer garantierten Verfügbarkeit von 99,999 Prozent bieten Colocation-Angebote einen sehr hohen Grad an Sicherheit.

Wie wichtig die digitale Infrastruktur ist, nämlich überlebenswichtig, dürfte in diesen schwierigen Zeiten klar geworden sein. Wie verlässlich sie funktioniert, wird sich zeigen, denn so einer Belastung musste sie noch nie standhalten und selbst große Unternehmen wie Microsoft müssen sich erst darauf einstellen. „In Frankfurt allerdings sind wir gut gerüstet, den Betrieb der Infrastruktur zu gewährleisten und sicherzustellen“, sagt Jens Prautzsch, Geschäftsführer von Interxion: A Digital Realty Company, „selbst in dieser Ausnahmesituation.“

In der Gesamtschau gibt es für gut vorbereitete und möglichst direkt mit ihren Communitys verbundene Unternehmen keinen Grund, an der Belastbarkeit der digitalen Infrastruktur zu zweifeln. Für unser Gesundheitssystem heißt das Gebot der Stunde, die Kurve flach zu halten. Die Kurve unserer digitalen Infrastruktur hingegen darf und wird in den nächsten Wochen noch weiter ansteigen.