Digitale Souveränität setzt fairen Wettbewerb voraus

Wir sind heute stärker denn je davon abhängig, dass digitale Abläufe funktionieren. Das wissen wir spätestens, wenn wir einmal unser Handy zu Hause vergessen haben, das Online-Banking nicht funktioniert oder Transportunternehmen unsere Online-Bestellungen nicht pünktlich ausliefern. Dabei müssen wir nicht wissen, was ein Zettabyte ist. Und wir müssen auch nicht Informatik studiert haben. Ebenso wenig müssen wir schon einmal ein Rechenzentrum von innen gesehen haben oder überhaupt wissen, wo sich das nächste Rechenzentrum eigentlich befindet. 

Es braucht auch keine Krise, um zu beweisen, dass die digitale Infrastruktur längst ein zentraler Bestandteil des Lebens geworden ist und essentieller Bestandteil der kritischen Infrastruktur ist. Ob Energieversorgung, Transport, Gesundheit, Verwaltung oder Finanzwesen – ob Nachrichten, Unterhaltung oder Einzelhandel: Die Liste der für unser Zusammenleben elementaren Aufgaben, die mithilfe digitaler Infrastruktur erledigt werden, ist zu lang, um sie vollständig aufzuzählen. Beinahe könnte man glauben, es sei einfacher, eine Liste der Geschäftsfelder zu erstellen, die noch ganz ohne digitale Unterstützung auskommen, aber: Was könnte auf dieser Liste überhaupt noch stehen?

Die Branchen, die unseren Wirtschaftsstandort groß gemacht haben, jedenfalls nicht.

Die digitale Branche wächst. Der Umsatz mit ITK-Produkten und -Dienstleistungen wird in Deutschland 2020 Schätzungen von Bitkom zufolge um 1,5 Prozent auf 172,2 Milliarden Euro steigen und 1.230.000 Menschen ihr Auskommen sichern. Der Branche, von deren Funktionieren alle anderen Branchen abhängen, geht es besser als anderen. Die Prognosen sind – keiner erwartet es anders – sehr gut. 

Ist es deshalb ein guter Zeitpunkt, sich selbst zur offensichtlich funktionierenden digitalen Infrastruktur zu beglückwünschen und dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage das Feld zu überlassen? Nichts könnte falscher sein. Auch wenn Deutschland im Netz mit erstklassiger Infrastruktur – zu nennen ist hier vor allem Frankfurt mit seinen vielen Rechenzentren und dem Internetknoten DE-CIX – weltweit ganz oben mitspielt, gibt es in der digitalen Welt kein „too big to fail“. Wer eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur haben möchte, muss nicht nur an Angebot und Nachfrage denken, sondern vor allem die an die Rahmenbedingungen und der Bedeutung für stabiler Rahmenbedingungen für die nächsten Jahre. 

Stromkosten als Indikator für Wettbewerbsfähigkeit

In der Rechenzentrumsbranche kommt einer einfachen Zahl eine enorme Bedeutung zu. In Deutschland lautet diese Zahl im Sommer 2020 113,11. So viel Euro kostet laut Bitkom in einem deutschen Rechenzentrum die Megawattstunde Strom einschließlich aller Zusatzkosten wie Abgaben, Steuern und Netzentgelte. 

Unternehmen, die ihre IT in einem eigenen oder – wie sie es immer öfter tun – in einem externen Colocation-Rechenzentrum betreiben, kennen diese Zahl in der Regel ganz genau. Und sie wissen, wie hoch die entsprechenden Kosten in einem anderen Land sind. In dem Land mit den europaweit höchsten und weltweit immer noch dritthöchsten Lebenshaltungskosten, der Schweiz, gibt es die Megawattstunde Strom einschließlich aller Kosten bereits für 97,39 Euro. In den Niederlanden, mit Amsterdam – dem neben Frankfurt zweiten Internet-Schwergewicht auf dem europäischen Festland –, liegen die Gesamtkosten bei 17,08 Euro.

In der Rechenzentrumsbranche sind Stromkosten nicht ausschließlich, aber sicherlich mit ausschlaggebend, wenn Unternehmen sich für oder gegen einen Standort entscheiden. Wer es für sinnvolle Standortpolitik hält, über eine eigene, wettbewerbsfähige digitale Infrastruktur zu verfügen, ist daher gut beraten, die anpassbaren Parameter unter die Lupe zu nehmen, die den Preis pro Megawattstunde Strom in Deutschland künstlich hochtreiben – und diese wo immer möglich, sinnvoll an die Nachbarländer anzugleichen. 

Große Rechenzentren sind Innovatoren für Effizienz und Energiewende

Diese Anpassung ist nicht nur für den fairen Wettbewerb entscheidend, sondern zudem im Sinne einer ökologischen Energiewende. Im Rechenzentrum ist nicht nur der Strompreis wichtig, sondern auch die ausfallsichere Verfügbarkeit. Auszeiten sind in der Branche, in der eine Verfügbarkeit von 99,999 Prozent als Standard gilt, nicht vorgesehen. Rechenzentrumsbetreiber wie Interxion: A Digital Realty Company, die schon seit Jahren zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien setzen, sind die unbekannten Vorreiter beim Erschließen neuer Formen der Energieversorgung und deren durchgehender, effektiver Nutzung zum bezahlbaren Preis. Die Erfolge der Branche sind in der Zeitschrift „Science“ nachgewiesen: Weil große Rechenzentren enorme Fortschritte bei der Energieeffizienz erzielen, steigt ihr Strombedarf kaum – bei steil ansteigender Rechenpower.

 Wenn Deutschland für seine Rechenzentrumsbranche bei den Stromkosten für gleiche Wettbewerbsbedingungen sorgt, werden wir als Standort die Rendite zweifach einfahren: Zum einen geschieht dies in Form einer nachhaltig wettbewerbsfähigen Infrastruktur und damit dem Schaffen einer Grundvoraussetzung für echte digitale Souveränität. Und zum anderen ist es, weil die zunehmend gesamtwirtschaftlich bedeutende Branche der digitalen Infrastrukturanbieter und Rechenzentrumsbetreiber so ihr Kreativitäts- und Innovationspotenzial entfalten kann, um die Energiewende im ganzen Land und über alle Branchen hinweg voranzutreiben.