Automobilbranche: Colocation bringt Cloud und Edge zu den Daten

Interxion Automotive Expert Group

Die digitale Transformation der Automobilbranche ist nicht mehr aufzuhalten. Sie lässt Unternehmen kaum noch eine andere Wahl, als Arbeitsprozesse komplett neu auszurichten. Für die IT-Teams in Automobilunternehmen ist die digitale Transformation eine Herausforderung. Sie bietet ihnen aber auch die Chance, das Unternehmenswachstum nicht nur zu unterstützen, sondern zukunftsfähig zu machen, indem sie die Erschließung datenbasierter Geschäftsmodelle ermöglicht. Um das zu erreichen, lösen sie sich zunehmend von ihrer bisherigen Rechenzentrumsinfrastruktur und den damit verbundenen Einschränkungen. 

Die Modifizierung von IT-Umgebungen ist mit Kosten und Zeitaufwand verbunden. Sie setzt nicht nur neue Kompetenzen voraus, sondern sorgt durch die Skalierung auch für höheren Energie- und Kühlungsbedarf. Colocation dient als wirkungsvoller Schlüssel für die Umstellung auf eine dezentrale Infrastruktur. Mit Colocation haben Unternehmen wichtigen Zugang zu Carriern, Providern, Plattformen und Netzwerken mit schlüsselfertigen Lösungen, die auf eine zukünftige Skalierung für eine erfolgreiche digitale Transformation ausgerichtet sind. Damit können sie die nötigen Verbindungen eingehen, die für die ohnehin stark differenzierte und vernetzte Automobilbranche im Zuge ihrer digitalen Transformation immer wichtiger werden. 


Herausforderungen traditioneller Vor-Ort-Rechenzentren


On-Premise-Rechenzentren werden auch als private Dateninfrastruktur bezeichnet, die Unternehmen im eigenen Haus unterhalten und deren Aufbau und Verwaltung kostspielig ist, sowohl bei den Investitionsausgaben (CapEx) als auch bei den Betriebsausgaben (OpEx). Das heißt allerdings nicht, dass Automobilunternehmen ihre lokalen Rechenzentren aufgeben. Viele entscheiden sich aus guten Gründen für einen Mix aus Cloud-, Colocation- und On-Premise-Umgebungen.

Ein Bericht von JLL dokumentiert eine explosiv wachsende Nachfrage nach Rechenzentren . Die größte Herausforderung für IT-Führungskräfte besteht darin, unter allen Rechenzentrumsanbietern diejenigen herauszufiltern, die sie wirklich, inklusive der oft schwer zu findenden Kompetenzen, durch die Komplexität der digitalen Transformation begleiten können. Für Automotive-Anbieter bedeutet das, dass sie strategische Partnerschaften mit Service Providern eingehen, deren Kerngeschäft die optimale Nutzung digitaler Infrastrukturen ist.  

Als Folge davon steigen die Kapital- und Betriebskosten der Rechenzentren weiter –  in einer Phase, in welcher diese Unternehmensbereiche ohnehin schon unter finanziellem und betrieblichem Druck steht. Da sowohl Ausgaben als auch Anforderungen steigen, müssen Unternehmen auch die Fähigkeiten ihre IT-Teams weiterentwickeln. Damit steigt der Bedarf an neuen technischen Kompetenzen, womöglich schneller als sie Fachkräfte aus den Bereichen IT-Sicherheit, Cloud-Architektur, IT-Systeme, DevOps sowie rund um den Betrieb von Rechenzentren ausbilden oder einstellen können.

Bestehende IT-Teams, die den Großteil der Workloads in lokalen Rechenzentren ausführen, verbringen oft viel Zeit mit der alltäglichen Verwaltung des Rechenzentrums. Laut einer IDC-Studie wenden IT-Mitarbeiter in Rechenzentren 45 Prozent ihrer Arbeitszeit für die Bereitstellung, Konfiguration, Überwachung, Wartung sowie Fehlersuche und -behebung auf – und nur 21 Prozent für strategische Aufgaben.

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Das endlose Dilemma der IT


IT-Teams stehen auch in der Automobilbranche oft vor dem Dilemma, dass sie sich nicht auf geschäftsfördernde Initiativen konzentrieren können. Sie sollen zwar auf Initiativen vorantreiben, die für die Zukunft der Automobilbranche rasant wichtiger werden, darunter Cloud Adoption, Connected Mobility, Shared Mobility, Autonomes Fahren und die Integration von Services aus den Bereichen Telekommunikation und Finance vorantreiben, die für die Zukunft der Automobilbranche rasant wichtiger werden. Allerdings mangelt es IT-Leitern jedoch oft an Zeit und Ressourcen. 

Bisher haben IT-Teams in der Regel für neue Geschäftsanforderungen einfach mehr Stellfläche sowie Server- und Speicher-Racks eingerichtet. Doch die exponentiell wachsende Bedeutung datenbasierter Geschäftsmodelle für die Automobilbranche und der damit erhöhte Bedarf an Rechenzentrumsressourcen und -leistung erschwert dies zunehmend. Die Definition eines Rechenzentrums-Ökosystems hat sich ebenfalls weiterentwickelt und geht inzwischen weit über Gebäude hinaus, die den Platz und Strom bieten: Rechenzentren werden längst als Innovations- und Technologiepartner gesehen.
 

Colocation-Rechenzentren im Fokus


Anstatt neue Rechenzentren zu errichten oder bestehende zu erweitern, ist für viele Automotive-Anbieter die Nutzung externer Colocation-Rechenzentren zu einem wichtigen Bestandteil vieler IT-Strategien geworden. Ausgelagerte Infrastrukturerweiterungen gibt es bereits seit 20 Jahren. Die Dynamik von Colocation-Rechenzentren hat sich jedoch stark gewandelt. Colocation-Rechenzentren der ersten Generation stellten Unternehmen lediglich Racks und Platz für Server und Speichersysteme zur Verfügung und wurden größtenteils von kleinen bis mittelständischen Unternehmen genutzt.

Mit der zweiten Generation wurden zweckmäßige Lösungen eingeführt, die konzeptionell von Großhandelsrechenzentren entlehnt waren. Damit konnten Unternehmen jeder Größe die Kosten für den Bau und die Wartung eines Rechenzentrums mit modernsten Technologien bewältigen.

Colocation der dritten Generation ermöglichte den Wechsel zu datenzentrierten Architekturen, die verteiltes Datenhosting, Connectivity und Exascale Computing in einem einzigen Rechenzentrumscampus erfordern. Sie ermöglichen es Unternehmen zudem, Cloud-Funktionen zu nutzen – als Public, Private oder Hybrid Cloud. Damit sind sie die idealen Umgebungen, um die datenintensiven Anwendungen zu betreiben, die die Automobilbranche nicht nur wegen Visionen wie dem autonomen Fahren prägen. 

Colocation-Anbieter stellen das Gebäude, die Kühlung, den Strom, die Bandbreite und die physische Sicherheit bereit. Sie vermieten Fläche in der Regel pro Rack, Schrank, Cage oder privatem Raum, behalten jedoch das Eigentum an den Hardwareinstallationen und Anbinduengen. Ihre Kunden können bei sich ändernden Anforderungen an ihre Stellfläche oder die Netzwerkbandbreite schnell auf- und abwärts skalieren. Damit werden im Gegensatz zu On-Premise-Rechenzentren Kosten für nicht benötigte Raum- oder Bandbreitenressourcen eingespart. Einige Colocation-Anbieter bieten inzwischen sogar On-Demand- und zeitgesteuerte Dienste an, die Endkunden für die Bereitstellung, das Patching, die Reaktion auf Vorfälle und die Unterstützung beim Ereignismanagement nutzen können.

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Geschäftliche Vorteile durch Colocation

In vielerlei Hinsicht ähneln die heutigen Colocation-Lösungen der dritten Generation On-Demand-SaaS-Modellen (Software-as-a-Service). On-Premise-Rechenzentren behindern die Skalierbarkeit und verursachen erhebliche CapEx-Kosten für Gebäude, Kühlsysteme und Racks sowie OpEx-Kosten für die Betriebsausgaben, worunter auch der Bau und die Wartung der Geräte und die Gewährleistung der physischen Sicherheit fallen. Diese Verantwortlichkeiten und damit verbundenen Kosten werden nun auf den Colocation-Anbieter verlagert. Deren strategische Bedeutung in der differenzierten und vernetzten Automobilbranche nimmt deutlich zu.

Zusätzlich zu den Kostenvorteilen bietet Colocation den Unternehmen ein Sprungbrett, um einfacher und schneller in die Cloud und das Edge Computing, einschließlich IoT (Internet of Things) einzusteigen. Die Akzeptanz der Cloud nimmt auch jenseits der Automobilbranche rasch zu. Die meisten Unternehmen verfolgen eine Multi-Cloud-Strategie. Wenn es um Netzwerk-Edge geht, befindet sich die Marktakzeptanz noch im Ausbau, aber das ändert sich schnell. Je mehr Daten und Anwendungen zum Netzwerk-Edge verlagert werden und je mehr Nutzer und Netzwerkverkehr sich auf das Edge ausdehnen, desto größer werden die Leistungsanforderungen. Das wirkt sich in vielen Unternehmen direkt auf das Benutzererlebnis und sogar auf den Umsatz aus. Amazon hat zum Beispiel festgestellt, dass sich der Umsatz pro 100 Millisekunden Latenzzeit um ein Prozent verringert. 

Für die Automobilbranche mit ihrem starken Fokus auf die Themen Latenz, Sicherheit und Verfügbarkeit ist die Notwendigkeit einer leistungsfähigen und ausfallsicheren Rechenzentrumsumgebung noch wichtiger als in anderen Branchen. Die Sicherheit des mobilen Menschen hängt unmittelbar mit der Zuverlässigkeit der Infrastruktur zusammen, die moderne Mobilität ermöglicht.


Skalierbare, kostengünstige Private Clouds


Für Services, die auf der Private Cloud basieren, ist Colocation eine kosteneffiziente, flexible Alternative zu einem On-Premise-Rechenzentrum. Colocation-Anbieter übernehmen die Gewährleistung der Sicherheit und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften – in Bezug auf die physische Umgebung – und vereinfachen so den Aufwand für die Sicherung der IT-Umgebung. 

Gleichzeitig nutzen Unternehmen bei einer On-Demand-Infrastruktur nur die Racks und den erforderlichen Speicherplatz. Darüber hinaus können IT-Verantwortliche die Infrastruktur des Rechenzentrums je nach Arbeitslast nach oben oder unten skalieren. Im Gegensatz zu On-Premise-Rechenzentren zahlen Unternehmen also nur für die Infrastruktur, die benötigt wird. Sie müssen nicht für ungenutzten Platz im Rechenzentrum bezahlen, ganz zu schweigen von dem damit verbundenen Stromverbrauch. Gerade in der dynamischen Automobilbranche ein großer Vorteil. 
 

Niedrige Latenz, optimierte Public Clouds


Colocation bietet auch Vorteile für Public Clouds. Der Hauptgrund, den IT-Leiter für die Verlagerung von Anwendungen in die Cloud nennen, ist Performance. Sie rangiert noch vor Compliance, Sicherheit sowie Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit. Lokale Rechenzentren binden Unternehmen jedoch an einen festen Standort, was zu Latenzzeiten führt, wenn Daten zwischen dem Rechenzentrum und der Public Cloud verschoben werden. Mit Colocation-Lösungen können Unternehmen Anwendungen und Daten näher an den Public Clouds platzieren und somit die Latenzzeiten verringern.

Im Hinblick auf die hohen Workloads, die mit der modernen Mobilität einher gehen, ist die Frage der Nähe von Anwendungen und Daten zu Public Clouds von entscheidender Bedeutung. Die Verbindung von Anwendungen und Daten erfordert ein Überdenken des traditionellen Rechenzentrums. Colocation-Lösungen können den Unternehmen einen Weg in die Zukunft bieten, die die Möglichkeiten der vernetzten und digitalen Mobilität voll ausschöpft. Sie können ihre digitale Infrastruktur rund um den Globus verteilen, um den lokalen Geschäftsanforderungen gerecht zu werden. Gleichzeitig behalten sie die Kontrolle und das Vertrauen in die Einhaltung von Vorschriften zur Ausfallsicherheit, Compliance und Sicherheit.


Edge: Ausweitung bis an die Netzwerkränder


Vorbei sind die Zeiten, in denen Unternehmen einfach ein Rechenzentrum in der Nähe ihres Firmensitzes wählen mussten. Heute müssen Unternehmen allgegenwärtig und on-demand über alle Geschäftsbereiche und Standorte hinweg agieren, unabhängig davon, wo sich Kunden, Partner und Mitarbeiter befinden. Da die Anforderungen an die IT-Architektur somit über die traditionellen Cloud-Services und Rechenzentren hinaus, zunehmend auch für Edge Computing gelten, wird die digitale Transformation weiterhin voranschreiten. Edge Computing platziert dedizierte Ressourcen näher an den mobilen Menschen und ihren jeweiligen Autos und anderen Fortbewegungsmitteln. 

Dadurch können Anbieter auch ihre Kernarchitektur entlasten und wertvolle Netzwerkressourcen für andere unternehmenskritische Aufgaben nutzen. Entsprechende Anwendungsfälle nehmen zu und viele Unternehmen sind bestrebt, die Vorteile der Bereitstellung von Anwendungs- und Datenversionen in der Nähe der Edge-Infrastrukturen für Performance- und Regulierungszwecke zu nutzen. Laut Gartner könnten 2025 bereits 470 Millionen verbundene Fahrzeuge im Einsatz sein, wobei jedes vier Terabyte am Tag und insgesamt mehr als 280 Petabyte an Daten produzieren wird. Ein Großteil davon wird außerhalb des Kernrechenzentrums oder der Cloud des Unternehmens verarbeitet werden. 

Colocation-Lösungen bieten Unternehmen die nötige Flexibilität, um Rechenzentrums-Workload-Fähigkeiten in der Nähe der Edge zu platzieren. Dies gelingt Unternehmen der Automobilbranche in Kombination mit einer Plattform zur Anbindung ihrer Umgebungen an die in einem Business-Ökosystem benötigten Netzwerke, Unternehmen, IT-Anbieter, Partner, Fahrzeuge und mobilen Menschen.

So können Latenzzeiten reduziert, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit verbessert und die Kosten gesenkt werden. Unabhängig davon, ob es sich um Datenanalyse, KI-fähige Anwendungen, Hochleistungsanwendungen oder IoT-Geräte handelt: Colocation verringert die Distanz und die betrieblichen Anforderungen zwischen Computing-Ressourcen und der Edge.

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Colocation: Verbindung zwischen Edge und Daten


Endanwender können jetzt mit einer Geschwindigkeit auf Anwendungen und Daten zugreifen, die noch vor einigen Jahren nur ein Wunschtraum war. Unternehmen aller Branchen können außerdem mit Hilfe von IoT-Sensoren Informationen erfassen und in nahezu Echtzeit analysieren, um neue Märkte zu erschließen, Abläufe zu optimieren, um unvergleichliche Kundenerlebnisse zu schaffen. In der Automobilbranche ist die geringstmögliche Latenz eine wesentliche Grundvoraussetzung nicht nur für autonomes Fahren, sondern für viele weitere Services rund um moderne Mobilität.

Dies erfordert eine dezentralisierte Infrastruktur, die es IT-Verantwortlichen ermöglicht, die Möglichkeiten von Multi-Cloud-Implementierungen bis hin zu Edge-Funktionen wie IoT zu nutzen. Das herkömmliche Rechenzentrum vor Ort kann einfach nicht die Geschwindigkeiten und Kosten bieten, die dieses neue Ökosystem mit Vernetzung erfordert. Die Colocation-Services der dritten Generation bieten IT-Führungskräften die agilen, kosteneffizienten Mittel, um diese Anforderungen zu erfüllen.