„Aus Daten Wert schöpfen“

IXperten diskutieren, wie Unternehmen richtige Digitalisierungsentscheidungen treffen

Technik ist Wandel. Das konnten die rund 40 Gäste, die Interxions Einladung zum IXperten-Talk gefolgt waren, im Frankfurter Museum für Kommunikation an zahlreichen Ausstellungsstücken sehen: Eine Postkutsche, eine Enigma-Chiffriermaschine oder auch ein so genannter Vermittlungsschrank (der einstige Arbeitsplatz des „Fräuleins vom Amt“) zeugten von der Vergangenheit. Hochlebendig und durchweg zukunftsorientiert ging es hingegen beim Thema des Abends „Aus Daten Wert schöpfen“ zu. Von Dr. Carlo Velten (Atlantic Ventures) moderiert, stand die Frage im Zentrum, wie traditionelle ebenso wie neu auf den Markt drängende Unternehmen im digitalen Ökosystem florieren, oder überhaupt erst einmal einfach nur überleben können.

 

Prof. Dr. Gerrit Heinemann

Prof. Dr. Gerrit Heinemann (Hochhschule Niederrhein), Experte für Intelligent Retail, hielt sich nicht damit auf, dem Einzelhandel die Fakten schönzureden. Innenstädte wie wir sie kennen, wird es seiner Überzeugung nach nicht mehr lange geben. Zahlreiche Daten und Fakten unterstreichen den durch Corona potenzierten Trend: „Während der Coronapandemie nahmen die Umsätze im Einzelhandel insgesamt zu. Der stationäre Handel erlebte jedoch erstmalig einen Umsatzrückgang. Gleichzeitig wuchs der Online-Handel auch im zweiten Pandemiejahr zweistellig. Die Kunden kommen nicht in die Städte zurück, sie sind Treiber der Entwicklung hin zum Online-Geschäft.“ Aktuell liege der Online-Anteil im Einzelhandel in Deutschland bei 16 Prozent, langfristig, so seine Prognose, laufe es auf eine 50/50-Verteilung zwischen online und stationärem Handel hinaus. 

Doch selbst die 50 Prozent Umsatzanteil, die nach Einschätzung von Heinemann im stationären Handel verbleiben dürften, würden zu großen Teilen durch datenbasierte und datengetriebene Geschäftsmodelle ermöglicht: „Kunden bereiten den Kauf online vor, vor allem mit ihren Handys und Mobilgeräten. Gekauft wird dann dort, wo der Artikel verfügbar ist und wo das Einkaufen einschließlich Bezahlen unkompliziert funktioniert.“ Vorbild sind für Heinemann neben Apps wie WeChat, die den Kunden das Einkaufen einfach machen, die Marktplätze Amazon und eBay. Weil diese Marktteilnehmer aufgrund ihrer Größe und Dominanz von einzelnen Anbietern quasi nicht einzuholen sind, so die ungeschminkte Analyse von Heinemann, müssten Anbieter auf klug und weitsichtig geplante Multi-Channel-Erlebnisse und dabei stark auf die Analyse und Verwendung von Daten setzen.

 

Menschen, Technologien und Daten müssen zusammenpassen wie Legosteine

Olaf AckerErfolgsrezepte einfach zu kopieren, so warnte der Stratege Olaf Acker, kann in der schnelllebigen Zeit nicht zum Erfolg führen. „Bis die Kopie marktreif ist, sind zwei Jahre vergangen. In der Zeit ist der Markt längst an einer anderen Stelle.“ Stattdessen müssten sich Unternehmen unabhängig von ihren Mitbewerbern überlegen, welche Services sie in den nächsten Jahren anbieten wollen. Dafür brauche es das passende Mindset, sprich eine Begeisterung für digitale Technologie. Menschen, die dieses Mindset mitbringen, sind für Acker einer von drei Bausteinen, mit denen Unternehmen ihre digitale Zukunft sichern können. Die anderen beiden: Technologien und Daten. Acker betont, dass „die drei Bausteine nicht getrennt, sondern gemeinsam gedacht werden müssten.“ Zur tragfähigen Basis werden sie nur dann, wenn sie wie Legosteine ineinandergreifen. 

Zusammen gedacht werden müssen für Acker auch das private und das berufliche Leben. Unternehmen sollten nicht den Fehler begehen, die Digitalisierung der Geschäftswelt losgelöst von der Digitalisierung im Privaten anzugehen. Ein Beispiel dafür: „Anwendungen, die Menschen vom Arbeitgeber bekommen, sind nicht unbedingt die, die sie nutzen wollen.“ Apps, die im beruflichen Umfeld bestehen und genutzt werden sollen, müssten die gleichen hohen Standards erfüllen, die die Anwender im privaten Einsatz gewohnt sind. Dafür brauche es ein designorientiertes Vorgehen in der IT: „Ein gutes Design kann einen sehr großen Unterschied machen. Die beste Technologie wird nicht funktionieren, wenn sie für die Menschen nicht anwenderfreundlich designt ist.“
 

Moderne Rechtsabteilung betrachten sich als Teil der Wertschöpfungskette

Waltl, Schindler und VeltenAus juristischer Perspektive betrachtet ist für Dr. Bernhard Waltl (BMW Group) und Dr. Dierk Schindler (Robert Bosch), die sich beide zudem auch im Liquid Legal Institute engagieren, vor allem eine Frage entscheidend: Wem gehören die Daten? Eine Frage, auf die es trotz ihrer immanenten Wichtigkeit oft noch keine endgültige Antwort gebe. Zu dynamisch sei die technologische Entwicklung. 

Für Schindler liegt darin jedoch eine große Chance für Unternehmen: Wenn eine Rechtsabteilung das Selbstverständnis entwickle, Teil der digitalen Wertschöpfung werden zu wollen, könne sie bei Neuentwicklungen und Kooperationen frühzeitig darauf hinwirken, diese Frage im eigenen Sinne zu beantworten. „Unternehmen, die früh und strukturiert darüber nachdenken und nicht nur DSGVO-Themen berücksichtigen, sondern auch festlegen, wer auf welche Daten Zugriff hat, Unternehmen, die die zugehörigen Nutzungsrechte klären und die für die Wertschöpfung entscheidenden Dinge antizipieren und in Verträgen regeln“, könnten sich einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Waltl sieht in diesem Zusammenhang auch die Automatisierung im Rechtswesen als Chance. Unternehmen, denen es gelingt, die „durch umfangreiche rechtliche Dokumente ständig wachsende Datenflut zusammenzuführen“ und mit Hilfe von KI automatisiert zu verarbeiten, setze Ressourcen frei, die dann für genau diese „entscheidenden strategischen Aufgaben“ genutzt werden können. 
 

Transformation erfordert Vertrauen

Jutta LöweÄhnlich positiv betrachtet Jutta Löwe (Brenntag Holding) das von Schindler angesprochene Thema Datenschutz. Was oftmals als besonders herausfordernd wahrgenommen werde und in Unternehmen nicht unbedingt den besten Ruf habe, sieht sie als Chance. Für Löwe besteht ein klarer Zusammenhang zwischen dem oft als schiere Notwendigkeit empfundenen Thema „Datenschutz“ und dem wichtigen Unternehmensziel „digitale Transformation“: „Was brauchen Sie, um erfolgreiche Transformationsprojekte umzusetzen? Vertrauen – der Mitarbeiter, der Nutzer.“ Um Vertrauen aufzubauen, müssten Unternehmen Transparenz schaffen und genau das sei Ziel des Datenschutzes. 

Den Vortrag von Heinemann aufgreifend sagt Löwe, mit Kunden transparent und verständlich über die Verwendung von Daten zu kommunizieren, sei für Unternehmen die Voraussetzung für funktionierende Kundenbindung. Viele Kunden seien durchaus damit einverstanden, wenn Unternehmen ihnen individuelle Angebote unterbreiten, die auf der Auswertung ihrer Nutzerprofile basieren: Kaufwünsche zu antizipieren, die den Kunden womöglich noch nicht einmal bewusst sind? Sofern sie nicht das Gefühl hätten „jemand schaue ihnen die ganze Zeit über die Schulter“, sondern im Gegenteil die Möglichkeit genutzt hätten, dem Geschäftsmodell aktiv zuzustimmen, kann das ein gutes Beispiel für die Verknüpfung von Datenschutz und digitaler Transformation darstellen. 
 

Wer aus Daten Wert schöpfen will, braucht die richtige digitale Infrastruktur

Alle SpeakerDen einen Weg, aus Daten Wert zu schöpfen und Unternehmen digital zu transformieren, gibt es nicht. Für jede Branche gelten unterschiedlichen Regeln. Was für das eine Unternehmen funktioniert hat, kann das nächste in die Sackgasse führen. Mit zunehmender Beschleunigung des digitalen Wandels werden Entwicklung und Auswirkungen für Geschäftsmodelle noch schwieriger vorherzusagen. Fest steht jedoch, dass die Datenmenge zunimmt – exponentiell. Die Basis für jegliche digitale Strategie muss daher eine passende und skalierbare digitale Infrastruktur sein.

Wie Volker Ludwig, Managing Director von Interxion Deutschland seinen Gästen auf den Weg mitgab, ist in Deutschland mit den Interxion-Standorten Frankfurt und Düsseldorf für Unternehmen ausreichend Platz dafür vorhanden und auch die passende Connectivity für datenbasiertes Wirtschaften finden Unternehmen hier vor. Dank weitsichtiger Investitionen wie etwa in die Digital Parks Fechenheim und Hattersheim ist die Kapazität an Rechenzentrumsfläche auch für die wichtigen nächsten Jahre gesichert. 
 

Der IXperten-Talk 2022