Digitalisierung sinnstiftend einsetzen: Teil 3 - Mobilität

Mobilität: Generation Z hat das gleiche Ziel, aber nutzt vollkommen andere Wege

Unsere dringendsten gesellschaftlichen Herausforderungen können wir nur mit Hilfe digitaler Technologien lösen. Worauf es dabei ankommt, versucht diese fünfteilige Blogserie mit Hilfe von Expertinnen und Experten für die Bereiche Wirtschaft, Landwirtschaft, Mobilität, Klima und sozialer Frieden zu zeigen.

Dr. Stefan Carsten auf dem Symposium 2021

10 Dezember 2021

Was bedeutet Mobilität? Diese Frage stellte Dr. Stefan Carsten, Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte, jungen Menschen zwischen 18 und 23 Jahren, oft auch als „Generation Z“ bezeichnet. Auf den ersten Blick unterscheidet sich deren Antwort auf diese Frage, wie Stefan Carsten auf dem Frankfurter Symposium für Digitale Infrastruktur 2021 berichtet, kaum von dem, was ihre Eltern vor 30 oder 40 Jahren gesagt haben: „Mobilität bedeutet für die Generation Z Flexibilität, Unabhängigkeit und Freiheit.“

Auf den zweiten Blick jedoch zeigt sich, dass junge und mobile Menschen von heute eine ganz andere Vorstellung von Mobilität haben: „In den 80er und 90er Jahren wurden die Kategorien Flexibilität, Unabhängigkeit und Freiheit immer mit dem Auto gleichgesetzt“, sagte Stefan Carsten. „Die Generation Z übersetzt das mit: Ich gehe viel zu Fuß, ich nutze den ÖPNV, ich fahre auch viel Auto, ich will mit dem Fahrrad unterwegs sein und ich will mit der Bahn unterwegs sein.“ War früher das eigene Auto Dreh- und Angelpunkt individueller Mobilität, ist das Ziel heute, keine Abhängigkeit zu schaffen von jeglichen Verkehrsmitteln „Auf alles und auf jedes Verkehrsmittel zu jeder Zeit zugreifen zu können: Das ist die Generation Z. Und das bedeutet Mobilität.“

 

In der 15-Minuten-Stadt wird alles bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht

Wie unsere Städte aussehen, hängt laut Stefan Carsten sehr stark davon ab, wie wir unsere Mobilität leben. Ändern sich unsere Mobilitätsmuster, ändern sich auch unsere Städte; und umgekehrt. In Zukunft immer attraktiver werden ihm zufolge Metropolen wie Paris, die aktiv die Umgestaltung urbaner Flächen in so genannte 15-Minute-Städte betreiben: Wer hier wohnt, kann „jede relevante urbane Funktion – ob sie mit Grünanlagen zu tun hat, mit Gesundheitsversorgung, Sport, Einkaufen oder Arbeiten – in 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen.“

Die meisten Städte haben hier noch deutlichen Nachholbedarf. Das zeigt sich für Stefan Carsten vor allem daran, dass bei der Nutzung der meisten Mobilitätsangebote jenseits des Autos eine Hälfte der Bevölkerung deutlich unterrepräsentiert sei: Frauen. Das liege mit daran, dass beispielsweise in Deutschland ein Drittel der Frauen Angst im öffentlichen Raum empfinde. Kurze Wege sicher und komfortabel zu gestalten, ist damit auch eine Frage der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.

 

Seamless Mobility erfordert schnelles Bereitstellen von Daten

War die Auswahl an Verkehrsmitteln vor einigen Jahren noch auf einige wenige beschränkt – Auto, Fahrrad, zu Fuß gehen, Busse & Bahn oder Taxis – ist das Angebot heute bis zur Unübersichtlichkeit vielfältig. Immer und überall auf jedes Verkehrsmittel zugreifen zu können, bringt ganz neue Herausforderungen mit sich. Seamless Mobility – der nahtlose Wechsel vom jeweils passenden Verkehrsmittel auf das nächste – funktioniert nur, wenn der mobile Mensch schnell an die nötigen Informationen und Daten gelangt.

Über welche Hardware das funktioniert, ist klar: Das Smartphone ist als mobile und persönliche Kommunikationszentrale das perfekte Werkzeug dafür. Schwachpunkt ist derzeit die Software: Eine anbieterunabhängige App zu entwickeln, die über alle Fahrzeuge, Tarifzonen und Verkehrsverbünde oder womöglich gar Landesgrenzen hinweg funktioniert, ist angesichts der laufend steigenden Zahl an Anbietern eine zunehmend komplexe Aufgabe. Die Bedeutung digitaler Infrastrukturen ist dabei kaum zu überschätzen.