Maximilian von Löbbecke Symposium 2021

Digitalisierung sinnstiftend einsetzen: Teil 2 - Landwirtschaft

Von der Möglichkeit, sich auf das Unvorhersehbare vorzubereiten

Für die Lösung vieler unserer dringendsten gesellschaftlichen Herausforderungen setzen wir auf digitale Technologien. Worauf es dabei ankommt, versucht diese fünfteilige Blogserie mit Hilfe von Expertinnen und Experten für die Bereiche Wirtschaft, Landwirtschaft, Mobilität, Klima und sozialer Frieden zu zeigen.

Maximilian von Löbbecke im Gespräch mit Frank Bethmann

22 November 2021

Unter den traditionsreichen Wirtschaftsbranchen ist die Landwirtschaft ohne Zweifel die mit der ältesten Geschichte: Landwirtschaft gab es schon, bevor es „Wirtschaft“ gab. Effizienzsteigerung steht dabei seit jeher in deren Mittelpunkt und hier entstandene Innovationen können eine Kraft entwickeln, die Gesellschaften von Grund auf umkrempeln: Ohne Landwirtschaft gäbe es keine Städte.

Landwirtschaft ist aus Tradition innovativ und Innovationen sind in dieser Branche sehr zielorientiert. Auch, wenn sie in Gestalt der Digitalisierung daherkommt, wie Maximilian von Löbbecke beim 12. Frankfurter Symposium für Digitale Infrastruktur berichtete. Er ist Experte für Digitalisierung im Agrar- und Food-Bereich und führt mit der 365FarmNet Group ein Unternehmen, das Software für eine automatisierte und vollständige Dokumentation auf dem Acker und im Stall entwickelt (Hofmanagement-Plattform).

 

„Digitalisierung hat nichts zu tun mit Technologie“

Für Maximilian von Löbbecke ist die Landwirtschaft der Beweis dafür, dass „digitale Lösungen dabei helfen können, Herausforderungen auch in vermeintlich verstaubten Umgebungen zu meistern.“ Der Schlüssel zum Erfolg jeglicher Digitalisierungsstrategien ist für ihn nicht die Technik, sondern der Mensch. „Digitalisierung hat nichts zu tun mit Technologie“, sagte er. „Stattdessen geht es um das Mindset.“ Aus seiner Erfahrung als Softwareanbieter heißt das: Die Kunden brauchen keine Lösung, die sie erst selbst durch langwierige Dateneingaben anpassen müssen, sondern sofort einsatzfähige Lösungen für konkrete Fragestellungen.

Diese Erfahrung aus der Landwirtschaft lässt sich laut Maximilian von Löbbecke auch auf alle anderen Branchen übertragen. Und sie ist erfolgsentscheidend: „Traditionsunternehmen müssen verstehen, dass sie den Blickwinkel um 180 Grad drehen müssen: Weg vom eigenen Produkt, weg vom eigenen Unternehmen, weg davon, was sie selbst alles Tolles geleistet haben – hin zum Geschäftsmodell des B2B-Kunden. Was ist das konkrete Problem des Kunden? Was ist dafür die beste Lösung? Unternehmen, die dieses Mindset nicht haben, bekommen ein Problem.“

 

Effiziente und digitalisierte Höfe sind die Grundlage für die Ernährung der Menschheit

Landwirte sind vielleicht zögerlicher als andere, wenn es darum geht, neue Technologien zu adaptieren. Aber wenn sie sich einmal dazu entschlossen haben, werden sie schnell zu Vorreitern. In modernen Landwirtschaftsbetrieben finden sich schon heute Technologien wie Sensoren, die Daten zur Beschaffenheit von Böden und zur Entwicklung von Pflanzen liefern, aus denen abgeleitet wird, welcher Quadratmeter Boden aktuell wie viel Wasser, Dünger oder Pflanzenschutzmittel benötigt.

Lösungen wie die von 365FarmNet stellen eine digitale Plattform bereit, die sämtliche um den landwirtschaftlichen Betrieb herum anfallenden Daten bündelt: vom Maschinenhersteller, Pflanzenschutz- und Düngemittelproduzenten, Zuchtunternehmen, Futtermittellieferanten bis hin zum Technikhersteller aus der Tierzucht – und so die betrieblichen Abläufe digital abbildet.

Die Effizienz auf den Höfen weiter zu verbessern, ist nicht nur für den einzelnen Betrieb eine Frage des Überlebens, sondern ist für uns alle von elementarem Interesse: Die Weltbevölkerung nimmt weiter zu und immer mehr Menschen wollen in Städten leben. Dort sind sie darauf angewiesen, dass ihre Nahrung von Landwirten produziert wird, deren Anzahl trotz wachsender Bevölkerung nicht zu-, sondern abnimmt: 1950 ernährte jeder Landwirt im Schnitt zehn Personen. Heute sind es bereits 144, Tendenz weiter steigend: Diese verlässlich zu ernähren, gelingt Landwirten nur mit der zuverlässigen digitalen Grundlage.