Digitalisierung sinnstiftend einsetzen - Teil 4: Klima

In jedem Gebäude liegt ein unbekannter Schatz

Unsere dringendsten gesellschaftlichen Herausforderungen können wir nur mit Hilfe digitaler Technologien lösen. Worauf es dabei ankommt, versucht diese fünfteilige Blogserie mit Hilfe von Expertinnen und Experten für die Bereiche Wirtschaft, Landwirtschaft, Mobilität, Klima und sozialer Frieden zu zeigen.

Klaus Dederichs (Drees & Sommer) auf dem Symposium 2021

6 Januar 2022

Sei es zu Hause, auf der Arbeit oder, seit der Coronakrise immer öfter, im Homeoffice: Die meiste Lebenszeit verbringen Menschen in Gebäuden. So wichtig sie sind, so groß ist die Auswirkung, die unsere Art zu bauen, auf das Klima hat. Berechnungen der Vereinten Nationen zufolge entstehen 40 Prozent der globalen CO2-Emmissionen durch den Bau und die Nutzung von Gebäuden.

Klaus Dederichs, Partner und Head of ICT bei Drees & Sommer, sieht darum in der nachhaltigen Nutzung von Gebäudetechnik und bei der Planung von Neubauten einen „viel größeren Hebel, als beim Verbrenner noch einen Liter Benzin weniger auf 100 Kilometer zu verbrauchen“, wie er auf dem Frankfurter Symposium für Digitale Infrastruktur 2021 erklärte.

 

Intelligente Gebäude senken Betriebskosten um bis zu 20 Prozent

Während der Coronakrise ist es offen zutage getreten: „Verwaiste Office-Flächen, weil 50 Prozent der Mitarbeiter in ihren Homeoffices sind. Aber das Verrückte ist: Wenn Unternehmen auf ihre Energiekosten schauen, sind die fast gleich“, sagte Klaus Dederichs. Der Grund dafür? „Die Gebäude wussten nicht, dass die Mitarbeiter nicht da waren.“

Der Schlüssel zu mehr Effizienz liege in intelligenten Gebäuden, die mit vernetzten Sensoren, Künstlicher Intelligenz und Cloud-Lösungen für seine Nutzerinnen mitdenken. Das Ziel sei sehr viel ehrgeiziger, als es im Sommer angenehm kühl und im Winter wohlig warm zu haben. Das ideale Gebäude helfe seinen Nutzerinnen zu einem gesünderen Leben und reduziert gleichzeitig die Betriebskosten: „Zwischen 15 und 20 Prozent der Betriebskosten lassen sich so einsparen“, so Klaus Dederichs.

Das womöglich noch größere Potenzial verberge sich in der Planung von Neubauten. Denn die Menschheit baue in enormem Tempo: „In Gebäudeflächen gemessen wird derzeit alle fünf Tage ganz Paris neu gebaut“, sagte Klaus Dederichs. Was auch bedeute, dass „die Hälfte der Gebäude, die im Jahr 2060 existieren werden, noch gar nicht gebaut sind.“

 

Den Neubau als Quelle künftiger Rohstoffe denken

Hier gelte es, flexible Nutzungsmöglichkeiten schon bei der Planung vorherzusehen und veränderliche Strukturen zu schaffen, die sich an die Bedürfnisse ihrer Bewohner anpassen, auch und insbesondere, wenn diese älter werden. „Wir müssen bei der Digitalisierung alle mitnehmen.“ Nicht jeder brauche ein Smart Home, aber Gebäude sollten Smart-Home-Ready sein.

Vor allem aber liege im anhaltenden Bauboom die Chance, Gebäude ganz anders zu bauen, als vor 20 Jahren üblich und auch heute noch allzu weit verbreitet. Beim Prinzip “Cradle-to-Cradle" ende der Planungshorizont nicht wie bislang üblich beim Einzug der ersten Bewohner. Wer in Kreisläufen denke, baue Gebäude nicht für die vermeintliche Ewigkeit, sondern denke ihr Ende bereits am Anfang mit.

Das Gebäude dient Klaus Dederichs zufolge dabei nicht nur heutigen Bewohnern als Zuhause oder Arbeitsplatz, sondern enthält gleichzeitig die Rohstoffe, mit denen künftige Generationen planen können. Ein Kreislauf, bei dem die verbauten Materialien nicht als Müll oder gar Sondermüll enden, sondern in sortenreine und chemisch unbedenkliche Ausgangsstoffe zerlegt werden, die weiterverwendet werden können.